Wie geht Beteiligung?

Jul 10th, 2009 | By Stephan Schilling | Category: Vermischt

vortragVor einiger Zeit habe ich auf einer Kundenveranstaltung einen Vortrag über den richtigen Weg von ernsthafter “Partizipation” gehalten. Eine Mitschrift des Vortrags habe ich jetzt hier veröffentlicht. Da ich Vorträge ohne vorgeschriebenes Manusskript halte, habe ich den hier, so gut es ging, von einem Filmmitschnitt “abgeschrieben”. (Achtung: Das ist nur ein Auszug des Vortrags. An einigen Stellen ist er aus Datenschutzgründen gekürzt.)

Partizipation – oder auch einfach Beteiligung – ist ein weiter Bereich und kann im Prinzip überall und in jedem Zusammenhang verwendet werden. Ein universelles Schlagwort sozusagen.

Doch wenn wir das Wort einmal auseinander nehmen, was steckt dann eigentlich noch dahinter?

Ich selbst habe lange Partizipation betrieben – und zwar auf beiden Seiten.

Als Jugendstadtpräsident in Flensburg war ich sozusagen in vorderster Front derer, die sich beteiligen wollten. Politisch wohlgemerkt. Sicherlich – nicht nur was Partizipation angeht – ein schwieriges Feld. In manchen Bundesländern – sie werden sich wundern – ist die Beteiligung junger Menschen sogar zwingend vorgeschrieben. So auch in Schleswig-Holstein.

Paragraf 47f der Gemeindeordnung Schleswig-Holsteins sagt dazu: „Die Gemeinde muss bei Planungen und Vorhaben, die die Interessen von Kindern und Jugendlichen berühren, diese in angemessener Weise beteiligen.“

Das ist im Prinzip eine großartige Vorschrift. Doch diskutieren Sie mal mit Kommunalpolitikern, was denn genau Planungen und Vorhaben sind, die die Interessen von Kindern und Jugendlichen berühren. Ich kann Ihnen sagen, dass ist kein Vergnügen.

Doch möchte ich an dieser Stelle eben diese Frage umdrehen: Was sind denn Planungen und Vorhaben, die NICHT die Interessen von Kindern- und Jugendlichen berühren?

Ich gebe Ihnen einen Tipp: Stellen Sie diese Frage einem Kommunalpolitiker. Er wird Sie anschauen wie ein Raumschiff. Alternativ wird er Ihnen erklären – meist mit sehr fadenscheinigen Argumenten – warum das grade dort nicht funktioniert die Frage so zu stellen.

Aber im Ernst. Die Beteiligung junger Menschen an ihrem Umfeld könnte man durchaus als Allzweckwaffe gegen die an allen Stellen angeführte „Politikverdrossenheit“ verwenden. Doch das klingt auch nur schön. In Wirklichkeit ist die Verwendung von Partizipation, von Beteiligung, gar nicht so einfach. Besonders nicht für den, der möchte, dass sich andere an seinen Aufgaben beteiligen.

Bleiben wir noch kurz bei der Politik als Beispiel. Politik ist immer auch ein Stück weit Macht. Und grade in der Kommunalpolitik – also dort, wo sich grade junge Menschen beteiligen könnten und sollten – gibt es viele sichtbare Entscheidungen. Das heißt Politiker sehen, was sie entscheiden. Diese Macht abzugeben, nahezu undenkbar. Aber auch sie zu teilen, beispielsweise mit Jugendlichen, ist kaum vorstellbar.

Damit wäre ich dann auch bei einer These, die ich aufstellen möchte. Genauer gesagt 3 Thesen. Es sind sozusagen meine 3 M’s der Partizipation.

Mitentscheiden ist der Einstieg in Partizipation.

Möchten sie jemanden beteiligen, müssen sie ihm auch das Recht einräumen, etwas zu entscheiden. Jemand der nur irgendwo mithelfen möchte, der wird auch nur das tun. Doch jemand, der beteiligt werden möchte, wird auch etwas entscheiden wollen. Dieser Punkt zieht sich beispielsweise auch durch viele Neuartige TV-Sendungen. Dort können Zuschauer anrufen und beispielsweise für einen Kandidaten abstimmen – Ihnen ist sicher klar, worauf ich anspiele. Es ist zwar nur eine kleine Möglichkeit der Mitentscheidung, aber es ist eine. Und so können sie das auch analog auf die Entwicklung neuer Produkte oder die Mitwirkung an politischen Prozessen anwenden.

Mitmachen ist die Verwirklichung der Partizipation.

Wurden von Beteiligten Entscheidungen getroffen, so sind sie es, die diese auch mit umsetzen müssen. Beteiligung geht hier weit über das reine Beteiligen an einer Entscheidung hinaus. Nur wenn Sie ihre Zielgruppe auch an der Umsetzung von etwas beteiligen, erhalten Sie eine nachhaltig wirksame Form der Partizipation.

Mitverantworten ist die Sicherung von dauerhafter Partizipation und Nachhaltigkeit.

Nehmen Sie ihre Beteiligten ruhig in die Pflicht. Suggerieren Sie, dass Verantwortung übernommen werden muss – das es sich nicht um eine reine Spaßbeteiligung handelt, sondern um ernsthafte Entscheidungen und Prozesse.

Und selbst wenn Sie diese 3 Thesen befolgen, ist der Erfolg noch lange nicht sicher. So fängt der Weg zum Erfolg bereits an, bevor Sie überhaupt mit jemandem über Partizipation sprechen. Sie müssen sich darüber im Klaren sein, dass Sie die Ergebnisse, die Ihnen dieser Prozess bringen wird, auch akzeptieren müssen. Denn für die Außenwirkung kann es vernichtend sein, wenn Sie erst rufen „Kommt her und beteiligt Euch!“ und später dann leise und zerknirscht sagen „Naja, war jetzt doch keine so gute Idee und wir vergessen das lieber mal.“. Das wird nicht funktionieren. Also lassen Sie sich auf Beteiligung ein oder lassen sie es sein.

Zu Guter letzt sollten Sie aber noch einen kleinen Tipp beachten. Ich habe Ihnen jetzt viel von Partizipation erzählt. Sollten Sie sich darauf einlassen wollen, denken Sie daran: Sprechen Sie die Sprache der Zielgruppe. Kaum jemand wird begeistert davon sein, dass Sie ihn an etwas partizipieren lassen möchten. Merken Sie sich das.

Ich freue mich auf die Diskussion – Vielen Dank!

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